Muttersein ohne Mindestlohn

Diese Woche hatte ich ein Gespräch, welches doch ganz schön in mir gearbeitet hat.

Wir hatten Besuch. Als ich von der Arbeit nach Hause kam, wurde ich von diesem gleich in der Tür empfangen mit „Wir bringen gleich mal das Altpapier weg. Und dann müssen wir noch das Altglas wegfahren und der Müll muss raus.“

Das war mir irgendwie zu viel, auch wenn es sicherlich gut gemeint war. In mir wuchs sofort wieder das kleine pampige Mädchen, welches sich ungerecht behandelt und kritisiert fühlt.

Seit wir zusammen wohnen und ein Kind haben hat sich so einiges verändert. Ich putze nicht mehr jeden Samstag von morgens bis abends. Es sieht nicht mehr aus wie eine Musterwohnung im Ikea, sondern man sieht, dass hier gewohnt, gelebt, gestritten, gelacht und geliebt wird. Es sind viele Wollmäuse mit eingezogen, das Altpapier und das Altglas stapeln sich auch schon mal und unser Esstisch muss immer erst mal frei geräumt werden, um daran essen zu können. Da ich zugegebenermaßen mit den drei Jobs Mutter, Sozialpädagogin in Teilzeit und Hausfrau und dem Nebenjob Ehefrau doch recht überfordert bin und es hier oft zu Streitigkeiten kam, hat sich hier ein Plan eingespielt. Ich räume auf, putze und wasche die Wäsche, hänge sie auf, nehme sie ab, räume sie in den Schrank. Mein Mann hat dafür die Küche als sein festes Revier. Nur die Küche. Mehr nicht. Und diese muss er nur aufräumen. Das heißt Spülmaschine ein- und ausräumen, Altpapier raus bringen und Müll raus bringen. Putzen übernehme ich, wenn die Küche dann aufgeräumt ist. Natürlich heißt das nicht, dass ich das nicht auch mal mache, wenn es anfällt und ich gerade Luft dafür habe.

Zurück zum Gespräch. Ich wurde also nach einem stressigen Arbeitstag mehr oder weniger überfallen und aufgefordert die Arbeiten meines Mannes zu erledigen.

Wie bereits erwähnt erweckte dieser Satz das kleine zickige Mädchen in mir und ich entgegnete, dass ich dies jetzt nicht tun werde, da dies die Aufgaben meines Mannes seien und ich ihm diese nicht abnehmen werde. Als Antwort bekam ich dann den Satz: „Aber der arbeitet doch so lange“ (mein Mann kommt im übrigen 17.20 Uhr von der Arbeit).

Da war es dann für mich vorbei und das Mädchen war komplett geweckt und hatte die Übermacht gewonnen. Bitte was?? Der arbeitet doch so lange? Stimmt und ich arbeite ja nur halbtags und bin dann ab 15.45 Uhr zu Hause und habe alle Zeit der Welt für den kompletten Haushalt, damit 17.30 Uhr, wenn mein Mann nach Hause kommt, alles erledigt ist.

Also wisst ihr das hat mich ziemlich wütend gemacht.

Ich habe die ganzen Tage über das Bild von Müttern in unserer Gesellschaft nachgedacht. Es hat mich nachdenklich gemacht, dass immer noch ein Bild herrscht von den Männern, die ja arbeiten gehen und danach Feierabend brauchen. Aber wann hat eine Mama Feierabend?

Wie geht es euch denn damit?

Ein Tag als Mama beginnt in aller Regel mindestens eine Stunde früher als der, der restlichen Familie. Wir stehen früher auf, um alles vorzubereiten und uns schon einmal fertig zu machen. Dann wecken wir das Kind/ die Kinder. Wer Kinder (in der Trotzphase) hat, weiß wie so ein Morgen ablaufen kann. Oft muss man danach gleich noch mal duschen oder braucht einen Schnaps oder will am liebsten wieder ins Bett zurück und ins Kissen weinen.

Wir haben die erste Hürde geschafft, wenn wir das Kind angezogen im Auto sitzen haben. Dann wird zur Kita gehetzt. Von dort hetzen wir zur Arbeit. Ich persönlich schaffe es selten pünktlich.

Nach der Arbeit wird zur Krippe gehetzt. Und dann heißt es malen, spielen, basteln, tanzen, zähmen, diskutieren, beruhigen, Kompromisse finden, umgeschüttetes Wasser aufwischen, nasse Kleider wechseln, Joghurt vom Fernseher wischen, Kämpfe beim Windelwechseln ausstehen, im Regen spazieren gehen, aufpassen, dass die Wände und Schränke nicht angemalt werden, einkaufen und so weiter. Auf dem Zahnfleisch kriechend schaut man immer wieder auf die Uhr, wann es denn endlich abends ist.

Dann macht man noch eine Maschine Wäsche. Es gibt Abendessen, nach dem Abendessen kommt der Kampf des ins Bett Gehens. Es ist 19.30 Uhr und das Kind ist endlich im Bett. Aber das heißt noch kein Feierabend. Während der Mann bereits Feierabend hat und die Füße hoch legt, liegen wir Mamas oft noch lange vor dem Bett unserer Kinder und begleiten diese in den Schlaf. Wenn sie dann endlich schlafen, muss noch aufgeräumt werden, die Waschmaschine geleert und die Wäsche aufgehangen werden. Zwischen 21.00 und 22.00 Uhr ist dann der Tag zu Ende. So zumindest sieht es bei uns hier aus.

Endlich kann ich aufs Sofa zu meinem Mann. Wir schauen Stranger Things auf Netflix. Wenn die Spannung am Höhepunkt ist, weint es aus dem Kinderzimmer und das Kind ist wieder wach. Ich muss die restliche Nacht bei ihm bleiben. Oft mit sehr unruhigen Nächten mit wenig erholsamen Schlaf.

Das ist mein Tag. Der Tag einer Mutter.

So eine Aussage ist dann echt wie ein Schlag ins Gesicht.

Und es ist doch so, dass uns so etwas doch relativ häufig begegnet. Natürlich weiß ich, dass mein Mann Vollzeit arbeitet und auch er nach Feierabend Erholung braucht. Ich versuche ihm das auch zu ermöglichen und mache deshalb einen Großteil des Haushaltes und übernehme sicher 80 % der Kindererziehung. Ich beklage mich im Grunde auch nicht und wir kommen so echt gut zurecht. Erst wenn dann von außen eine Anmerkung kommt, verstimmt mich das dann etwas.

Wenn die Väter am Abend ausgehen, wenn sie über das Wochenende einen Männertrip machen dann interessiert das niemanden. Wenn wir als Mama aber mal eine Auszeit nehmen und weg fahren, wird man empört gefragt: „Und was machst du mit dem Kleinen?“ Meine Antwort dann immer: „Der hat auch einen kompetenten Papa.“

Wir sind trotz Krankheit Mutter und managen trotzdem alles. Das ist völlig normal. Letztens hat mein Mann krank das Kind am Nachmittag für eine Stunde nehmen müssen und meine Kollegen meinten: „Oh, der arme“.

Es soll hier nicht darum gehen wer mehr macht und die größere Leistung bringt. Jeder bringt Leistung, ob Mama oder Papa. Wir machen alle unser Bestmögliches. Auch mein Mann.

Aber es ärgert mich doch immer wieder, wenn die Arbeit als Mutter nicht als Arbeit gesehen wird. Natürlich ist es keine Arbeit in diesem Sinne. Als Mama verdient man kein Geld. Wir lieben es, Mutter zu sein. Wir lieben unsere Kinder. Mutter zu sein ist das Schönste auf der Welt. Aber es ist auch das anstrengendste, zumindest in dem Alter, in dem sich mein Sohn gerade befindet. Warum es so anstrengend ist? Weil man sein bestes gibt. Weil mein alles gibt. Weil das Kind an oberster Stelle steht. Wenn wir auf Arbeit überfordert sind, lassen wir die Arbeit liegen oder geben sie ab. Wenn wir krank sind, melden wir uns krank. Eine Mutter kann zwar den Haushalt liegen lassen (das musste ich lernen), aber sie kann ihr Kind nicht liegen lassen. Ich zum Beispiel habe auch nicht die Möglichkeit, mein Kind kurzfristig abzugeben. Die Großeltern wohnen zu weit entfernt. Wenn ich krank bin duldet mein Sohn den Krankenschein vom Arzt nicht, er bemalt ihn maximal mit Buntstiften und mein Arbeitgeber kann das Datum nicht mehr lesen.

Ich möchte das Bewusstsein dafür wecken, den Fulltime-Job einer Mutter zu würdigen und nicht durch unüberlegte Anmerkungen runter zu reden. Noch viel mehr als die Leistung einer Mutter mit Teilzeitjob, sollte die Leistung von Müttern, die sich dazu entschlossen haben, nicht arbeiten zu gehen und mit ihrem Kind zu Hause zu bleiben gewürdigt werden. Oft habe ich schon gehört „Na die geht doch nix arbeiten. Die ist doch zu hause. Die hat eigentlich den ganzen Tag Zeit.“ Das stimmt so überhaupt nicht. Die arbeitet sehr wohl was. Ich wünsche mir mehr Respekt vor dem was Eltern leisten und vor allem was eine Mama leistet. Denn eine Mama hat nie Feierabend. Und der Mindestlohn wäre zumindest die gesellschaftliche Anerkennung.

In diesem Sinne, wünsche ich allen eine schöne Pause 😉 Ich geh dann mal Wäsche aufhängen.

Eure Sabrina

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Ein Kommentar zu „Muttersein ohne Mindestlohn

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