Wenn die Geburt einfach nur ein Alltags-„Geschäft“ ist – Geburtsbericht TEIL 1: Die „Geburt“ und warum es für mich keine Geburt war.

Ja, meine Geburt ist jetzt über zwei Jahre her, doch es arbeitet noch immer. Noch immer kann ich diesen einen Satz nicht sagen „Ich habe mein Kind zur Welt gebracht“,  weil es sich für mich nicht so anfühlt. Er wurde aus mir raus geholt, raus gezerrt und dann war er weg und es dauerte Stunden bis wir uns das erst mal sehen konnten. Für mich noch immer furchtbar.  Ich möchte diese Geschichte mit euch teilen.

Dies soll kein chronologischer Geburtsbericht sein. Er soll werdenden Mamas keine Angst machen. Es soll nicht darum gehen, wann was stattfand. Es soll darum gehen, wie ich als werdende Mama, als Erst-Mama, es empfunden habe. Was ich gefühlt habe. Was es psychisch mit mir gemacht hat. Was ich gebraucht hätte. Es soll darauf aufmerksam machen, in welch einer Not die Geburtshilfe ist. Und wer die leidtragenden sind. Nämlich die Mamis und ihre Babys.

Viel Spaß beim Lesen.

Ich hatte keine Angst vor der Geburt. Überhaupt nicht. Auch nicht nach dem Geburtsvorbereitungskurs, in welchem man die ein oder andere Wahrheit erfuhr #dammriss #pipikacka Ich war total entspannt und habe mich sogar darauf gefreut. Ich habe mich darauf gefreut, mein erstes Kind zur Welt zu bringen. Mit allem drum herum.

Ich zog sogar ein Geburtshaus in Erwägung. Mein Mann war strikt dagegen und wollte unbedingt in einer Klinik mit Kinderstation entbinden. Ich finde es egoistisch zu sagen „das ist mein Körper, das ist meine Geburt, das ist meine Entscheidung“, denn ich finde die Männer sind in der Schwangerschaft eh nur „das Dritte Rad am Wagen“ und bin der Meinung, dass sie sehr wohl die Möglichkeit bekommen sollten wichtige Entscheidungen mit zu treffen und sie nicht ganz außen vor zu lassen.

So entschieden wir uns gemeinsam für die Geburt in einer Klinik mit Kinderstation. Die Stadt war für meinen Mann klar und stand außer Diskussion.

Ich sah dem Tag mit voller Vorfreude entgegen. Ich war mutig. Angst war gar nicht vorhanden.

Was jedoch stieg war der Druck von außen. Die Mama, die Tanten fingen an von ihren „schrecklichen“ Geburten vor 30-40 Jahren zu berichten. Freundinnen, die dieses Erlebnis bereits machen durften meinten auch, sie wissen nun wie es geht und wie es nicht geht und was zu tun ist. Der Druck wurde ziemlich hoch „Lass ja nicht einleiten, das endet immer im Kaiserschnitt. Du wirst aber keine PDA nehmen, das endet schlussendlich im Kaiserschnitt“. Das sind nur einige der Sätze, die ich zu hören bekam. Angst machte mir das alles trotzdem noch nicht. Aber der Druck in mir erhöhte sich und der Anspruch an mich selber, eine natürliche Geburt zu schaffen und das natürlich auch ohne PDA. Ist das nicht dämlich?

Mit jedem Tag näher am Geburtstermin, rückten Gedanken einer möglichen Einleitung näher und ich recherchierte viel im Internet, las in Foren über die unterschiedlichen Erfahrungsberichte. Und war mir sicher, ich werde nicht einleiten lassen.

Tag ET +10, wie man es nennt, war gekommen und somit auch die Einweisung in die Klinik zur Einleitung. Ich habe die halbe Nacht nicht geschlafen und im Internet recherchiert. Es änderte sich nichts an meiner Einstellung: Ich lasse nicht einleiten.

So gingen mein Mann und ich am Samstag morgen in die Klinik, ich mit der Sicherheit lediglich nachsehen zu lassen und dann wieder mit nach Hause zu gehen. Der Mann sicher, dass eingeleitet wird. Denn das war das was er wollte.

Tag 1 in der Klinik – Heute wird eingeleitet

Wir sitzen da also in der Klinik. Im Kreißsaal, warten auf die Untersuchung. Die Hütte voll, man kommt sich vor wie am Fließband. Endlich sind wir an der Reihe. Soweit alles in Ordnung, es sieht jedoch nicht so aus, als würde sich der kleine Mann auf den Weg machen. Die Ärztin erklärt mir, dass wir nun einleiten werden und welche Möglichkeiten der Einleitung es gibt und welche sie favorisiert. Es wird nicht gefragt, nicht aufgeklärt gar nichts. Die Ärztin entscheidet: Wir leiten ein.

Ich erkläre, dass ich nicht einleiten lassen will. Ich sehe schon den Blick meines Mannes und wie er schluckt „So war das nicht abgesprochen“ höre ich es in ihm sagen. Die Ärztin sagt: „Das können Sie entscheiden. Ich sage Ihnen allerdings, dass mit jedem Tag länger, den Ihr Kind in Ihrem Mutterleib verbleibt, das Risiko steigt, dass Ihr Kind in Ihrem Mutterleib verstirbt.“  Der Satz sitzt. Er trifft mich mitten ins Mark. Klar, muss die Ärztin dieses Risiko erwähnen. Hat sie gerade gesagt „mein Kind verstirbt in meinem Mutterleib“? Das ist das einzige was ich in diesem Moment verstehe. Ich sehe den Blick meines Mannes und mir ist mit diesem Blick bewusst, dass Diskussionen hier fehl am Platz und zwecklos sind. Aber auch für mich ist plötzlich die Angst um mein ungeborenes Baby zu groß und ich bin plötzlich völlig verunsichert. Okay, dann machen wir das so. Dann wird mein Kind wohl heute auf unnatürlichem Weg „gezwungen“ auf die Welt zu kommen. Scheiße!

„Wir geben Ihnen eine Tablette, ich denke es braucht nur einen kleinen Anstoß“ sagt die Ärztin zu uns. Also gut. Kein Gespräch mit einer Hebamme in der Zwischenzeit. Diese sehe ich lediglich mal, wenn sie das CTG kurz angeschließen. Wir sollen dann erst einmal auf Station einchecken. Eine nette Schwesternschülerin nimmt mich auf. Dann sollen wir uns wieder im Kreißsaal einfinden. Wieder eine Hebamme, die mich lediglich kurz an ein CTG anschließt und wieder verschwindet. Das soll aber erst der Beginn von endlosen Stunden sein, die ich hinter irgendeinem Vorhang am CTG liege. Es ist mittlerweile Mittag und endlich bekomme ich die besagte Tablette, die ich eigentlich bereits vor Stunden bekommen sollte. Wieder CTG. Einlauf. Badewanne und immer war nur mal kurz eine Hebamme zugegen. Ansonsten habe ich nur meinen Mann an meiner Seite. Nur ist gut. Immerhin. Mein Fels. Dieser begibt sich immer mal in die Küche des Kreißsaals um sich oder mir etwas zu trinken zu holen und trifft dort immer wieder andere werdende Väter, die alle in selbiger Situation sind, nur eben schon seit eins- zwei Tagen länger. Einleitung und Warten.

Am Abend soll es die Zweite Dosis Tablette geben, welche mir jedoch schon nicht mehr verabreicht wird, da ich bereits Wehen habe und teilweise leide. Nach wie vor, kommt die Hebamme immer nur mal kurz um irgendwelche Knöpfe zu drücken. Keine Zeit für „Seelengespräche“, Beratung etc.

Am Abend gegen 22:00 Uhr dann die letzte Untersuchung durch eine Hebamme. Es tut sich nichts. Mein Mann wird nach Hause geschickt um sich auszuruhen und ich wieder auf Station. Beim Untersuchen merkte ich wie ich etwas Flüssigkeit verliere und es nass wird. Ich weise die Hebamme darauf hin und diese meint nur beiläufig, dass das wohl von der Fruchtblase kommen wird, wahrscheinlich gerissen. Sollte das Baby 24 Stunden später noch nicht da sein, bräuchte ich eine Antibiose, so die Hebamme weiter zwischen Tür und Angel.

Mein Mann geht nach 16 Stunden nach Hause. Ich gehe alleine und erschöpft auf mein Zimmer. Ein Familienzimmer gab es nicht. Neben mir im Zimmer, eine Mama die bereits selig mit ihrer zwei Tage alten Tochter schmust. Klasse.

Tag 2 in der Klinik – Es tut sich gar nichts

Am nächsten Morgen, Sonntag morgen alles auf Anfang. Wieder CTG. Mir geht es schlecht, das CTG ist Katastrophal, ständig piept etwas. Immer wieder kommt eine Hebamme rein um das Piepen wortlos auszuschalten und verschwindet wieder. Immer wieder muss sie kommen, da etwas piept, sie sagt mir, dass ich mich entspannen solle und geht wieder. Das ständige Piepen und Antanzen scheint der Hebamme zu viel zu werden und das CTG wird abgebrochen. Ich solle mich etwas entspannen, warten bis mein Mann kommt und etwas spazieren gehen, ich sei zu unruhig.

Mein Mann kommt, wir gehen eine kleine Runde laufen und wieder in den Kreißsaal. Es wird noch einmal CTG geschrieben und dieses Mal ist alles in Ordnung. Ich habe wohl einfach meinen Mann an meiner Seite gebraucht. Ich bekomme wieder eine Tablette zum Einleiten verabreicht. Es passiert wieder nicht viel, außer Spaziergänge, rumsitzen, warten, immer wieder in anderen Räumlichkeiten hinter Vorhängen liegen und CTG schreiben. Langsam stellt sich bei mir großer Frust ein. Keine feste Bezugsperson. Seit gestern immer wieder andere Gesichter. Keiner geht groß in Kontakt mit uns. Die eine Hebamme weiß nicht, was die anderen Hebammen vorher gesagt, gemacht, getan haben. Wieder trifft mein Mann in der Teeküche die wartenden frustrierten selben Männer vom Vortag an, die auch noch immer warten.

Das ewige CTG schreiben ist mittlerweile einfach nur noch zur Qual geworden, da ich wahnsinnige Schmerzen in den Oberschenkeln habe und nur noch wenige Minuten auf einer Seite liegen kann.

Ich bin müde, ich bin frustriert. Ich fühle mich allein gelassen. Ich habe mir das anders vorgestellt. Es geht hier doch schließlich um eine Geburt. Um das wundervollste im Leben und ich fühle mich einfach nur wie irgendein x-beliebiger Patient, der gerade zu viel ist und für den keine Kapazitäten zur Verfügung stehen. Der zwischen Station und Kreißsaal hin und her geschickt wird um möglichst nirgends im Weg zu stehen und zu stören.

Vier Stunden später, dann die zweite Dosis Tabletten. Dieses Mal doppelte Dosis da sich einfach nichts tat. Mein Mann und ich vertreiben uns die Zeit mit einem Ausflug in die Innenstadt. Mittlerweile habe ich auch eine neue Zimmernachbarin. Die erste wurde entlassen und eine neue werdende Mama, mit geplatzter Fruchtblase kommt hinzu.

Der Tag neigt sich dem Ende und wieder heiß es zu meinem Mann er soll nach Hause gehen und zu mir, ich soll auf Station gehen und mich schlafen legen. Ich weise die Hebamme, die gerade da war, darauf hin, dass vor ca. 24 Stunden scheinbar etwas Fruchtwasser abging und ich doch eine Antibiose bekommen sollte. Die Hebamme weiß davon nichts. Gibt mir dann aber eine Antibiose.

Mein Mann und ich gehen schlafen. Getrennt. Er nach Hause. Ich in der Klinik auf Station.

Schlafen ist nicht sehr viel, da immer wieder der Partner meiner Bettnachbarin rein kommt um etwas zu holen und mich auf dem Laufenden zu halten, da bei denen die Geburt in vollem Gange ist.

Gegen 4:00 oder 5:00 Uhr kommen sie zu Dritt wieder. Freudig, glückselig, überwältigt, verliebt. Der frisch gebackene, stolze Papa wird von einer Schwester unhöflich aufgefordert zu gehen und nach Hause geschickt, da wir Damen laut ihr Schlaf brauchen. Ich finde das total unangemessen. Die beiden haben gerade ihren Sohn zur Welt gebracht und der Mann wird weg geschickt?? Das finde ich zu viel Fremdbestimmung. Wir schlafen natürlich kaum, da wir über die Geburt reden und dieses kleine Bündel Wunder bestaunen.

Tag 3 –  Nun nimmt es Fahrt auf

Der Dritte Tag in der Klinik, Montag bricht an. Gegen 6:00 Uhr geht es bei mir mit regelmäßigen Wehen los. Alle 10 Minuten. Alle 8 Minuten. Alle 6 Minuten. Ich esse Frühstück. Gebe meinem Mann Bescheid, dass er kommen soll und mache ganz gemütlich. Die Schwestern bekommen mit, dass ich regelmäßige, in kürzer werdenden Abständen Wehen habe und fordern mich auf in den Kreißsaal zu gehen. Also gehe ich schon einmal in den Kreißsaal. Dort, wer ahnt es? Na klar, erst einmal irgendwo verwahren und CTG schreiben. Danach werde ich wieder auf Station geschickt. Ich soll da noch etwas laufen. Gesagt getan. Ich laufe also den Flur auf und ab und warte auf das Eintreffen meines Mannes. Alle paar Minuten sucht mich eine fiese Wehe heim und ich kralle mich am Handlauf fest. Eine Schwester kommt vorbei und pampt mich ziemlich an, was ich denn noch immer auf Station mache, ich solle doch in den Kreißsaal. Ich erkläre, dass ich eben von da komme und wieder auf Station geschickt wurde.

Als mein Mann eintrifft, begeben wir uns wenig später wieder  in den Kreißsaal. Was wird gemacht? Richtig, wieder irgendwo verwahren und CTG schreiben. Langsam bin ich wirklich nur noch angenervt. Wieder werden wir weggeschickt. Die Abstände seien noch nicht zu kurz und die Wehen noch nicht stark genug. Ich werde wieder auf Station geschickt. Meinem Mann wird gesagt „Erst wenn ihre Frau nicht mehr selbständig in die Sprechanlage des Kreißsaals sprechen kann, kommen sie mit ihr wieder“. Wir gehen also wieder auf Station. Dort werde ich aber auch nicht gerne gesehen. Auch will ich meine Zimmernachbarin mit ihrem wenige Stunden alten Baby nicht mit meinem Gekeuche nerven. Also gehen wir im Park spazieren. Nach gefühlten 10 Runden, ist das auch nicht mehr das Wahre und ich bin ehrlich gesagt auch erschöpft und kann nicht mehr. Wir gehen zurück in den Kreißsaal und erklären, dass ich nicht mehr laufen kann. Wieder werden wir weg geschickt mit dem Auftrag fleißig weiter zu laufen. Wir laufen das Treppenhaus auf und ab. Alle paar Minuten krall ich mich mit der rechten Hand in meinen Mann, mit der linken ans Treppengeländer. Im Treppenhaus hallt es auch so schön. Ich bin psychisch und physisch am Ende meiner Kräfte. Wieder gehen wir in den Kreißsaal. Es ist gegen 15:00 Uhr. Wieder CTG. Die Wehen sind stark aber die Abstände noch zu lang. Die Ärztin wird gerufen. Diese untersucht mich nochmals, ziemlich unhöflich, ohne Verständnis für meine Situation, barsch und grob. Ich solle mich doch gefälligst zusammenreißen. Sie sagt mir, dass Wehen vorhanden sind und diese auch stark, aber da sich am Muttermund rein gar nichts tut wird man mir nun noch etwas verabreichen, was auch den Muttermund öffne. Irgendwie bin ich bereits so fertig, dass ich gar nicht mehr in der Lage bin irgendetwas zu verstehen, einzuschätzen und Entscheidungen zu treffen. Ich lasse einfach nur noch alles über mich ergehen. Ich habe eh nicht das Gefühl, als interessiere sich hier irgendjemand für meine Befindlichkeiten.

Man verabreicht mir dieses Mittel und dann nimmt alles Fahrt auf. Wehen. Schmerzen. Schreien. CTG. Badewanne. Zerstörte Badewannenamaturen. Und dann ab in den Kreißsaal. Also in den richtigen. Es muss mittlerweile ca. 19:00 Uhr sein.

Endlich eine Hebamme an meiner Seite und das fast ununterbrochen. Sie weicht so gut wie nie von meiner Seite. Sie ist hart zu mir, aber liebevoll. Genau richtig. Der Muttermund öffnet sich innerhalb 20 Minuten 7 cm. Ständig kommt jemand rein in den Kreißsaal und verschwindet wieder. Es geht auf einmal alles zu schnell. Die Ärztin kommt. Es heißt man müsse mir nun wieder etwas Wehenhemmendes geben, da es zu schnell geht. Ich vertraue meiner Hebamme zu 100 %. Endlich jemand bei mir, der für mich da ist. Der mir beisteht. Plötzlich 22:00 Uhr: „Frau S. sie bekommen jetzt eine PDA und ich habe Feierabend“. Ich kann es heute nicht mehr beschreiben, was in diesem Moment mit mir, in mir passiert ist. Ich weiß nur noch, dass ich ihr sagte, dass sie jetzt nicht gehen kann, dass sie bei mir bleiben muss und flehe sie an, mich nicht zu verlassen. Ich bekomme zur Antwort, dass das nicht geht. Wenn sie wüsste, dass das Kind in den nächsten zwei Stunden da sei, würde sie bleiben, aber das sei nicht der Fall. Aber sie sei am nächsten Morgen um 8:00 Uhr wieder da und vielleicht könne sie es ja dann noch mit mir zu Ende bringen. Das ist wie ein Schlag ins Gesicht. Hat sie mir gerade beigebracht, dass ich eventuell morgen früh 8:00 Uhr noch immer hier liege und kämpfe? Ja, hat sie. Sie geht. Einfach so. Wir hatten uns doch am Abend gemeinsam vorgenommen jetzt meinen Sohn zur Welt zu bringen. Sie hat mich gehalten. Ich durfte sie uneingeschränkt drücken und kneifen, ich durfte ihr die Arme so fest drücken, wie ich nur konnte. Sie hat mich brechen sehen, sie hat mir die Haare gehalten. Sie hat mit mir geatmet. Sie hat mit mir jede Wehe durchlebt. Wir waren ein Team geworden. Und jetzt lässt sie mich hier auf dem Bett sitzen.

Ich bin am Boden zerstört. Die Scheiß PDA, die ich eigentlich nicht wollte, die sie mir aber im strengen Befehlston angeordnet hat bevor sie ging, kommt auch nicht, da die Anästhesistin im OP fest sitzt. Die neue Hebamme, mit der ich nicht warm werde, kómmt auch nur alle halbe Stunde mal zu uns um nach uns zu sehen. Vielleicht kann ich aufgrund ihrer Abwesenheit auch nicht mit ihr warm werden.

0:00 Uhr dann endlich die Anästhesistin mit der PDA. Sie ist meine neue BFF. Meine neue Freundin. Leider geht sie wieder. Aber sie verbringt in dem Moment für mich erst mal Wunder. Mein Mann haut sich für 2 Stunden im Ledersessel aufs Ohr. Ich habe döse und veratme alle paar Minuten mal eine süße, kleine, zärtliche Wehe. Angenehm. 2:00 Uhr ist es dann so weit. Scheinbar ist nun Zeit für uns da und man will nun das Kind von Frau S. mal schnell zur Welt bringen. Der Wehenhemmer wird abgestellt und ich glaube auch wieder etwas verabreicht und los geht es wieder. Mein Mann merkt an, dass ich doch ziemlich heiß bin. Man misst Fieber und ich habe hohes Fieber. Man macht jedoch nichts.  Immer mal wieder kommt eine Ärztin, die die Sauerstoffsättigung vom Baby überprüft. Nach weiteren zwei Stunden, es ist 4:00 Uhr, dann die Botschft: „Frau S. wir holen jetzt ihren Sohn, die Sauerstoffsättigung ist nicht mehr gut und das CTG zeigt, dass er gestresst ist“. Und schon laufen lauter Leute aufgescheucht hin und her. Ich gebe zu in diesem Moment, spüre ich glaube nur noch Erleichterung „Endlich holt den da jemand raus. Endlich hat es ein Ende“. Vergnügt springe ich noch auf die andere Liege und los geht es. Mein Mann verschwindet um sich in die OP-Kleidung zu schmeißen. Mir kommt es wie eine Ewigkeit vor. Endlich wieder meine BFF. Die Anästhesistin ist wieder bei mir. Ich sage ihr noch, dass sie ziemlich müde aussieht und es mir leid tut, dass sie immer noch hier ist. Mein Mann kommt endlich wieder zu mir. Das OP-Outfit steht ihm hervorragend. 4:06 Uhr dann der Schnitt. Dann 8 Minuten rum gezerre, rum gerumpel, gedrücke auf meinem Bauch. 4:14 Uhr ist unser Sohn auf der Welt.

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Mein Bauch augfgeschnitten und unser Baby von fremden Händen aus seiner Hülle, die ihm 10 Monate Schutz gab, wo er herangewachsen ist, herausgeholt. Von fremden Händen aus seiner Mama herausgezogen und in die nächsten fremden Hände gereicht und von da aus in die nächsten fremden Hände und so sollte es noch weiter gehen.

Es fällt mir schwer es Geburt zu nennen. Es fällt mir schwer den Kaiserschnitt als Geburt zu sehen. Ich habe ja quasi nichts getan. Ich lag da bloß rum, habe versucht die Stimmung mit ein paar Sprüchen aufzulockern. Mehr habe ich nicht getan.

Ich war einfach nur die, die das Kind im Bauch hatte und dieses Gefühl hatte ich die darauffolgenden Tage weiter. Warum und Weshalb lest ihr am kommenden Montag im zweiten Teil.

Eure Sabrina

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Ein Kommentar zu „Wenn die Geburt einfach nur ein Alltags-„Geschäft“ ist – Geburtsbericht TEIL 1: Die „Geburt“ und warum es für mich keine Geburt war.

  1. Als Mann ist ein Geburtsbericht eine ziemliche Herausforderung. Aber besonders heraufordernd an deinem sehr lesenswerten Bericht finde ich, gerade die Selbstbeherrschung nicht zu verlieren. All das, was du beschreibst, macht mich unheimlich wütend und fassungslos über den gesamten Vorgang deines Aufenthaltes dort. Das hat nach meinem Verständnis nichts mit Patienten- oder Kundenfreundlichkeit zu tun. Und erst recht nicht mit der Geburt eines Kindes. Dass dein Mann diese Bude nicht kurz und klein geschlagen oder argumentiert hat, war sicherlich großer Selbstbeherrschung geschuldet. Und für deine innere Ruhe wäre das auch nicht förderlich gewesen.
    Leider hat sich deine Geburt dann wie eine selbsterfüllende Prophezeiung genau in das verwandelt, wovor du die meiste Angst hattest.

    Viele Dank für deine Offenheit und liebe Grüße

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