Liebe Trubel Feiertage

„Das war das letzte Jahr, dass wir uns diesen Stress gegeben haben, nächstes Jahr bleiben wir zu hause und feiern bei uns.“ Kennt ihr diesen oder ähnliche Sätze? Diesen Satz sagen mein Mann und ich uns jedes Jahr mindestens zwei mal. Zum Beispiel zu Ostern und zu Weihnachten.

Es hat gewiss Vorteile, einen gewissen Abstand von der Heimat und der Verwandtschaft zu haben, aber es hat mehr Nachteile, vor allem, wenn dann ein Kind da ist.

Ich lebe bereits seit dem Schulabschluss entfernt meiner Heimat und meiner Eltern. Aber jedes Jahr an Geburtstagen und Weihnachten, manchmal auch anderen Feiertagen, treibt es mich  immer schon nach hause zu den Ursprüngen. Irgendwie bin ich da dann wieder Kind. Ich möchte vor allem an Weihnachten in meinem Elternhaus sein. Zum Teil auch weil mir der Gedanke daran, dass meine Eltern an den Feiertagen allein in ihrem großen ausgestorbenen Haus sitzen, das Herz zerreißt.

Mein Ehemann findet das nicht immer toll. Als wir noch kinderlos waren, haben wir gesagt, sobald wir ein Kind haben, fahren wir nicht mehr so durch die Republik. Wir feiern als Familie zu hause und wer kommen mag, der ist herzlich eingeladen.

Aber gerade jetzt mit Kind fällt dieses Vorhaben noch schwerer.

Zugegeben bin ich eigentlich auch froh, wenn es wieder einen Anlass gibt, durch den ich unter Vorwand aus der Stadt und unserer Wohnung rauskomme und man einen Kinderanimateur hat.  Dass man von vorne bis hinten verwöhnt wird, lasse ich dabei jetzt mal außen vor.

Und irgendwie müssen wir so oder so fahren, da die Uromas entweder gar nicht mehr mobil sind oder an den Feiertagen zu hause sein wollen/ müssen. Ihr kennt das sicher mit der älteren Generation.

Und ich bin nun mal wahnsinnig familiär und gesellig und liebe es, wenn wir alle zusammen sitzen und schöne Stunden gemeinsam verbringen.

Auch die Familie meines Mannes wohnt über eine Stunde entfernt und auf dem Weg zu meiner Familie. Wenn man es genau betrachtet gibt es fünf bis sechs Parteien, die uns an solchen Tagen bzw. wenn wir in der Heimat sind, sehen möchten und die wir natürlich auch sehen wollen. Da spreche ich aber nur von Familie. Dazu kommen dann noch Freunde, die uns und die wir bei einem solchen Besuch auch noch sehen möchten.

Das heißt für uns, wir haben dann an einem Wochenende plus Feiertag rund 7 „Stationen“ abzuklappern.

Nehmen wir beispielsweise Ostern. Es waren 4 Tage frei. Den Abreisetag nehmen wir raus, da wir da meist noch gemeinsam zu Mittag essen und dann abreisen. Also bleiben 3 Tage übrig. 7 Stationen. Das heißt pro Tag MÜSSTEN wir 2,3 Personen besuchen.

Ich denke aber das eigentliche Problem und worum es mir geht, stößt euch wahrscheinlich beim Lesen des letzten Absatzes schon bitter auf: 7 Stationen „abklappern“. Sollte es nicht ein „ich besuche meine Familie und entspanne“ sein, anstatt ein „wir klappern 7 Stationen ab“?

Wie war das wohl früher? Was ist nur aus uns geworden? Nun besuchen wir schon unsere Familien am Fließband und planen vorher ein: Von 11.30 Uhr bis 16.30 Uhr Oma Erna (Mittag und Kaffee), von 16.45 Uhr bis 18.00 Uhr Oma Frieda, dann weiter zu den Eltern und Klaus müssen wir auch noch irgendwie dazwischen schieben usw. Und das alles mit Kleinkind im Schlepptau, was so etwas überhaupt nicht gut verkraftet. Nach den Feiertagen wird man dann gefragt, wie sie waren und man antwortet nur „stressig“.

Man braucht einen Terminplan und das ist eigentlich Irrsinn. Das widerstrebt eigentlich auch komplett meinem Naturell. Gerade wenn ich mit netten Menschen zusammensitze, bin ich gemütlich, spontan, genieße die Zeit, den Moment, sauge auf, rede, schweige, höre zu. Ich möchte nicht auf die Uhr schauen müssen, wann wir weiter müssen. Mein Handy liegt meist in den Tiefen meiner Handtasche vergraben und wird dort allerhöchstens mal für einen süßen Schnappschuss raus gekramt.

Die Fließbandbesucherei hat nichts mehr mit Familienzeit und Qualität zu tun.

Und das  ist nur meine Sicht der Dinge und aus meiner Rolle gesehen. Der „Besucherrolle“. Ich denke da noch viel mehr an denjenigen, den ich Besuche. Wenn ich ihm sage, dass wir nur begrenzt Zeit haben und wir pünktlich 15.00 Uhr Kaffee trinken müssen, damit wir im Zeitplan bleiben. Und wir dann hastig ohne mit abzuräumen vom noch gedeckten Kaffeetisch aufspringen und weiter müssen. Oder wenn wir erst spät am Abend ankommen, nur dort nächtigen und Essen zu uns nehmen und ansonsten die Zeit damit verplanen, andere zu besuchen.

Das was mich nach den Feiertagen immer so ausbrennt ist nicht mal der Stress, denn ich halte ziemlich viel aus. Was mich viel mehr ausbrennt, ist das schlechte Gewissen und das Gefühl, nicht jedem gerecht geworden zu sein.

Wir haben nach wie vor noch keine Lösung dafür und aller Wahrscheinlichkeit wird es an Weihnachten wieder genau so ablaufen. Bis dahin aber heißt es verschnaufen, entspannen und Energie für den nächsten großen Festtagsmarathon sammeln.

Mich würde interessieren, wie ihr das managt. Vielleicht hat ja jemand den ultimativen Plan.

Eure Sabrina

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