Drum prüfe, wer sich ewig bindet…

Dieser Satz, meine Lieben, gilt nicht nur für den Partner, den ihr heiratet. Nein, der gilt auch für andere wichtige Entscheidungen, die die Hochzeit, den vermeintlich schönsten Tag in eurem Leben, betreffen. Wie die Entscheidung, WO ihr euer Brautkleid kauft.

Leider ist es mittlerweile so, dass bei Hochzeiten nicht mehr ein Paar, das sich liebt, das sich entschieden hat, gemeinsam bis ans Ende ihres Lebens durch Dick und Dünn zu gehen, gesehen wird, sondern nur noch ein lukratives Geschäft. Hochzeit und Geburt. Zwei super lukrative Geschäfte.

Allein wennman das Wort „Hochzeit“ in den Mund nimmt, zahlt man schon mal 50 % mehr. Das ist freilich etwas überspitzt, aber so in etwa ist es. Ich habe das getestet. Zu meiner standesamtlichen Hochzeit war ich beim Friseur. Ich habe gesagt, ich möchte eine Hochsteckfrisur, ich gehe als Gast auf eine Hochzeit. Ich habe für diese Hochsteckfrisur 30 Euro bezahlt. Eine Brautfrisur im selben Laden bekommt man ab 100 Euro. Und es wäre keine andere Frisur. Auch für meine Brautfrisur möchte ich lediglich eine schlichte, locker gesteckte Hochsteckfrisur ohne Steinchen, Perlen oder sonst noch etwas. Ebenso mit dem Strauß. Zur standesamtlichen Hochzeit habe ich einen Strauß für den Geburtstag meiner Oma Erna bestellt. Ich habe einen wunderschönen Strauß bekommen. Mein Mann hat dafür 20 Euro bezahlt. Für einen Braustrauß zahlt man für gewöhnlich 70 – 80 Euro oder mehr. Und auch da möchte ich nicht mehr als bei dem Strauß für Oma Erna. Keine Perlen, kein Grünzeug, keine vergoldeten Bändchen, nix. Einfach nur einen süßen Strauß.

Aber gut, ich schweife wie gewohnt ab. Es soll ja um das Prüfen gehen. Genau genommen um den Kauf meines Brautkleides. Ich habe nicht so genau geprüft bzw. nicht gründlich genug.

Fangen wir von vorne an. Es gibt hier einen relativ großen und bekannten Brautausstatter, welcher nicht mehr den besten Ruf hat. Hier ein Link zu einem Zeitungsartikel. Test in Nürnberg: Wie Bräute über den Tisch gezogen werden

Das Geschäftsgebaren dieses Ladens ist mittlerweile in der Stadt und auch unter anderen Läden hier in der Stadt bekannt. Mir wurde von mehreren Seiten von diesem Laden abgeraten.

Da ich nach meiner Enttäuschung im ersten Laden – als mir Kleider, die ich mir vorgestellt habe, pampig abgelehnt wurden mit der Begründung, dass ich „nicht die Figur dazu“ hätte – nicht wieder enttäuscht werden wollte, wollte ich beim zweiten Anlauf alles richtig machen. Vom Friseur wurde mir ein kleiner Laden in einer etwas versteckten Gasse empfohlen, und auch rieten sie mir, von dem bekannten Laden die Finger zu lassen. Den kleinen Laden hatte ich auch schon einmal entdeckt. Ich ging also dahin und erklärte mein Anliegen. Ich nannte mein Budget, was nicht viel war und mir wurde gesagt, dass wir in diesem Budget etwas finden. Wir haben einen Termin vereinbart. Eine Stunde vor diesem Termin wurde ich von einer Kollegin angerufen, die mir mitteilte, dass es sehr schwer wird in diesem Budgetrahmen ein Kleid zu finden. Ich ging mit meinem Budget 200 Euro höher. Sie sagte mir, das wird auch schwierig, aber das schränke sie in der Suche nicht mehr allzu sehr ein. Ich ging am Mittag in dieses Geschäft. Mich begrüßten zwei sehr freundliche Verkäuferinnen. Der Service war hervorragend. Kein Vergleich zum ersten Laden, in dem ich war. Ich wurde so behandelt wie eine zukünftige Braut behandelt werden möchte. Ihr könnt das noch einmal hier nachlesen Wie ich nicht mein Traumkleid fand, aber eben doch mein Kleid

Mir wurden drei Kleider angezogen. Das erste Kleid war sehr schön und gleich mein Favorit. Preislich lag es jedoch noch einmal 200 Euro über dem Budget was ich schon um 200 Euro erhöht hatte. Das zweite Kleid, war wunderschön und elegant. Der Preis konnte mir nicht genannt werden, nur dass es weit über 1000 Euro käme. Das dritte Kleid war es dann sofort beim ersten Blick in den Spiegel. Der Preis musste noch einmal nachgeschaut werden und lag, welch Überraschung, genau in meinem letztgenannten, schon erhöhtem Budget.

Sofort wurde ich zu einer Entscheidung gedrängt. Ich war alleine dort, da ich eigentlich nur einmal schauen wollte. Ich erklärte, dass ich Rat bräuchte und fragte, ob ich von diesem Kleid meiner Mama ein Bild schicken könnte, was natürlich nicht gestattet wurde, was ich auch nachvollziehen konnte. Ich erklärte, dass ich noch einmal darüber nachdenken müsste und gerne ein zweites Mal mit einer Freundin und meiner Mama vorbei kommen würde. Da hieß es dann, das das nicht ginge. Ich müsste wenn dann sofort kaufen. Jedes Kleid sei nur einmal im Laden und man könne nicht zurücklegen. Am Nachmittag komme eine andere Braut und diese könne es mir dann wegkaufen. Als ich diesen Satz hörte, schoss mir Panik ins Blut, denn das war MEIN Kleid. Also sagte ich, ich nehme es mit dem Wissen, dass mein Mann mich am Abend töten würde.

Und dann war es mit der Gemütlichkeit sofort vorbei. Beide Verkäuferinnen nahmen die Ruhe raus. Sofort wurde der Vertrag gedruckt und mir noch im Kleid hingehalten zum Unterschreiben. Ich fragte nach der Zahlungsabwicklung und bekam als Antwort, dass ich sofort zahlen müsste. Nächster Adrenalinschub. Ich erklärte, dass ich dann erst zur Bank müsste, da ich so viel Geld gewiss nicht mehr auf meinem Konto hätte und das Geld erst vom Sparkonto umbuchen müsste. Ich wurde gar nicht aus dem Laden gelassen. „Dann zahlen sie halt nur eine Anzahlung und überweisen die zweite Hälfte in den nächsten zwei Wochen.“ Und schon hielt man mir das EC-Kartengerät unter die Nase.

Danach kam man mit „Sie brauchen noch dieses Accessoire und jenes Accessoire“. Ich wurde noch einmal genauso viel Geld los, wie ich Anzahlung fürs Kleid da gelassen habe.

Die Accessoires habe ich mit nach Hause bekommen und bekam dafür eine Tüte. Diese Tüte stammte eben von diesem großen, bekannten Laden, der diesen schlechten Ruf hat. Ich schluckte kurz und fragte ganz dumm nach und bekam die Antwort „Wir sind dieser Laden“. Na Bravo, Sabrina, dachte ich.

Trotzdem ging ich glücklich aus dem Laden. Selbst mein Mann, der am Abend sah wie ich strahlte, schimpfte nicht ganz so arg mit mir, dass ich einfach mal so spontan mehr als mein Monatsgehalt ausgegeben habe.

Die Verkaufsgeschichte und ein Blick auf den Vertrag lösten bei ihm allerdings doch einen kleinen negativen Beigeschmack aus.

Für einen laufenden Meter wie mich und obenrum nicht ganz so breit wie der Arsch, musste das Kleid einiges gekürzt und oben enger gemacht werden. Es wurde ein Termin mit der Schneiderin zum Abstecken für vier Wochen später vereinbart. Die Schneiderin sei extern und komme ins Haus und ich müsse noch mal mit mindestens 150 Euro rechnen.

Drei Tage vor dem Termin, an einem Samstagabend 20.00 Uhr wurde mir dieser Termin telefonisch abgesagt. Es sei Hochsaison und man sei überbucht. Es wurde mir ein neuer Termin für Anfang April angeboten.

Es lies mir jedoch keine Ruhe und ich googelte diesen Laden und stieß auf sehr schlechte Bewertungen. Meine Mama machte mich eh schon verrückt, weil sie in einem Bericht gesehen habe, dass Bräute ihre Brautkleider voll bezahlt haben, einen gültigen Vertrag unterschrieben haben und nie ihr Kleid erhalten haben. So entschied ich, dort anzrufen und auf meinen Abstecktermin zu bestehen. Ich wählte die Telefonummer auf der Visitenkarte und hörte „Diese Nummer ist nicht vergeben“. Ich dachte ich muss ersticken. Ich suchte weiter im Netz und fand eine weitere Nummer unter der ich dann auch jemanden erreicht habe. Ein netter junger Mann, dem ich meine Situation schilderte und der mir noch in selber Woche einen Termin ermöglichte. Meine Mama und ich gingen zu diesem Termin in den Laden und keiner wusste von diesem Termin. Die Verkäuferinnen wurden etwas unruhig und hektisch, es wurde herum telefoniert. Dann wurden wir in den anderen Laden geschickt, da dort mein Kleid sei. Wir gingen in den anderen Laden. Wir warteten eine Weile. Ich bekam dann mein Kleid und wurde angezogen. Vorm Spiegel entedeckte ich sofort, dass etwas anderst ist. Ich schaute genauer und musste mit Entsetzen feststellen, dass mein Kleid kaputt ist. Es war Stoff aus der Naht gerissen. Ich merkte dies sofort an und erhielt nicht mal eine Erkläung, nur dass die Schneiderin das wohl hinbekomme. Wenig später kam dann auch endlich die Schneiderin. Auch sie wirkte nicht sonderlich professionell.

Wieder kann ich von mangelnder Freundlichkeit nicht sprechen. Man kam dann noch mit Unterwäsche, Unterrock (welches ich beides auch für 200 Euro kaufte), Schmuck, mit Strümpfen, mit Ringkissen, mit Haarschmuck usw. Erst als ich all dies ablehnte, merkte man auch, dass die Freundlichkeit schwand.

Es wurde erneut ein Termin für vier Wochen später ausgemacht, um mein fertiges Kleid anzuprobieren und mitzunehmen.

Wieder an einem Samstag wurde mir dieser Termin telefonisch abgesagt, da Hochsaison sei und die Schneiderin nicht nachkomme. Man wollte mir einen neuen Termin für Ende Mai geben. Ende Mai! Unsere Hochzeit ist Anfang Juni! Ich habe schon wieder Schnappatmung bekommen und gesagt, dass mir das zu spät sei. Daraufhin die Verkäuferin: „Das sind doch dann noch drei Wochen“. Also ich weiß ja nicht nach welchem Kalender die leben, aber nach meinem Kalender waren es keine drei Wochen bis zu unserer Hochzeit. Ich erklärte ihr noch einmal, dass mir das zu spät sei und ich dieses Risiko nicht eingehen möchte. Mir wurde dann ein Termin für Mitte Mai angeboten. Das wären dann nach meinem Kalender drei Wochen bis zur Hochzeit. Ich nahm das dann erst einmal so hin.

Aufgrund meines manglenden Vertrauens zum Laden und den Berichten, konnte ich kaum noch schlafen und wollte einfach nur noch mein Kleid haben. So gingen mein Mann und ich gemeinsam in den Laden und forderten mein Kleid. Es war natürlich noch kaputt. Wir gaben eine Frist bis Ende der Woche, dies zu reparieren. Die Verkäuferin wollte sich darauf erst nicht so einlassen. Aber nachdem mein Mann noch einmal ganz deutlich wurde, hat es dann geklappt. Wir haben mein repariertes Kleid abgeholt und am nächsten Morgen stand ich bereits in einer Änderungsschneiderei, die mir die Änderungen schnell und das für deutlich weniger Kosten, als dort angesetzt worden, vornahm.

Ich bin froh, dass wir das jetzt so gemacht haben.

So lange Rede, kurzer Sinn. Drum prüfe, wer sich ewig bindet… Hätte ich diesen kleinen Laden doch nur einmal gegoogelt, bevor ich da rein marschiert bin, dann wäre ich mit 100 % iger Sicherheit nicht dort gelandet. Aber so wäre ich wahrscheinlich auch nicht zu meinem Kleid gekommen. Denn es ist nach wie vor MEIN Kleid und ich liebe es. Und irgendwie hat alles was ich liebe immer mit Drama angefangen, gell mein Schatz? 😉

In diesem Sinne, wünsche ich allen zukünftigen Bräuten eine angenehmere Brautkleidstory.

Eure Sabrina

Advertisements

Ein Kommentar zu „Drum prüfe, wer sich ewig bindet…

  1. oh man wie kraaaaass! Dass die auf Dauer überhaupt damit durchkommmen?! Kaum zu fassen!
    Es tut mir leid, dass du so Blut und Wasser schwitzen musstest. Ist zwar gut ausgegangen, aber trotzdem sollte man nur positiv gestimmt sein, wann man an SEIN Kleid vor der Hochzeit denkt, und nicht „hoffentlich reparieren sie es“, „hoffentlich ist es überhaupt noch da“ … Alles klingt sehr unprofessionell (warum ist das Kleid plötzlich in einem anderen Laden??? Und dort kaputt?? War es überhaupt das von dir probierte Kleid?).
    Es ist echt übel, wie man bei Hochzeiten abgezockt wird, aber das ist ja lange bekannt. Aber das toppt doch noch einmal so einiges!
    Deine Tricks für die Standesamtliche merke ich mir, steht bei uns diesen Monat nämlich auch an 😉 Gerne mehr davon!
    LG „@juliemachts“

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s