Wie ich nicht mein Traumkleid fand, aber eben doch mein Kleid

Die Brautkleidsuche bzw. der Brautkleidkauf ist der wohl wichtigste Moment der zukünftigen Braut in Richtung Traumtag.

Der Ablauf ist schon fest im Kopf abgespeichert und wurde vielleicht auch schon das ein oder andere Mal taggeträumt.

Fast jede Frau hat schon früh eine genaue Vorstellung davon, wie ihr Kleid aussehen soll. So stand meine wahrscheinlich schon mit 17 Jahren. Okay, mittlerweile hat sich diese etwas verändert. So wollte ich gewiss nicht mehr in einem Sissi-Kleid heiraten.

Aber seit ich 2012 den Antrag bekommen habe, stand für mich mehr oder weniger fest, wie mein Kleid auszusehen hat.

Oben, vorne wie hinten, geschlossen, mit Spitze. Kleine Ärmelansätze. Bloß nichts was meinen Rücken zeigt und keine nackten Schultern. Ganz schlicht gerade runter oder eine leichte A-Linie. Alternativ vielleicht auch Meerjungfrauenstil? Bloß nichts Ausladendes, kein Tüll, kein Walla-Walla.

Der Traumtag musste dann aufgrund der Schwangerschaft auf ein unbestimmtes Datum verschoben werden. Es fand eine kleine standesamtliche Zeremonie im 5. Monat satt. Okay, also wird das wohl nichts mit meinem Traumkleid. Ein schlichtes, nicht zu teures Umstandskleid musste her. Weit entfernt von der Vorstellung, wie ich an diesem besonderen Tag immer aussehen wollte.

Für uns war schnell klar, wir wollen noch einmal „richtig“ heiraten. Kirchlich, mit allem Drum und Dran und vor allem mit einer fetten Party mit all unseren Freunden.

Was lange währt und so weiter… Unser Termin steht und rückt nun immer näher. Es wurde also Zeit, nach einem Kleid, nach meinem Kleid, zu schauen.

Okay. Woher? Wieviel möchte ich ausgeben?

Zugegeben die Versuchung war groß, ein Kleid im Internet zu bestellen. Die Preise sind sehr verlockend. Aber zum Einen hatte ich Angst, dann am Tag der Hochzeit noch kein Kleid geliefert bekommen zu haben. Zum Anderen muss man so etwas anprobieren, sehen und fühlen. Womit ich eindeutig Recht behalten sollte.

Und außerdem hat man ja auch von der Suche und dem Kauf eine romantische Vorstellung. Einen Samstag mit der Mama, der Trauzeugin, den engsten Freundinnen losziehen mit Sekt im Kopf.

Auch diese romantische Vorstellung sollte so nicht eintreten. Meine Trauzeugin, 500 km weit entfernt, in einem großen Haus mit zwei großen Mädchen, welche alle zwei Wochen mit da sind, einem dreijährigen Wirbelwind, einem einjährigen Zwillingspärchen und einer Ausbildung zur Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin in den Endzügen, sprich mitten im Prüfungsstress. Ihr könnt euch sicher vorstellen, wieviel Kopf man dann für die Hochzeit der Freundin hat. Genau! So gar keinen. Meine Mama 250 km entfernt in genau die andere Richtung und sonst auch keine meiner Freundinnen hier in der unmittelbaren Nähe.

Also weg mit der Vorstellung des gemeinsamen Brautkleidshoppens.

Trotzdem wollte ich nicht alleine losziehen. So kam meine Mama an einem Wochenende extra zu uns und wir zogen gemeinsam los. Voller Hoffnung und Zuversicht. Ich war mir sicher, heute mein Kleid zu kaufen.

Da ich nicht so viel Geld ausgeben wollte, ging es in ein großes, regionales Modehaus mit Brautmodenabteilung. Ich sage nur so viel, es war ein absoluter Flop.

Kurfassung: „Sie sind zu klein und zu fett, um ein Kleid ihrer Vorstellung zu tragen“. Danke für nichts!

Dann lag das Thema Brautkleid erst einmal auf Eis. Ich musste meine Wunden lecken.

Diese Woche ging ich in der Mittagspause mal geschwind in ein kleines, schnuckeliges Brautgeschäft. Wollte nur mal schauen, was die so haben und ob mir wirklich kein Brautkleid passt.

Schon allein das Vorgespräch und ein Telefonat am Vormittag ließen einen ganz anderen Service vermuten. Ich kam also hin, sah und dachte: „Nur drei Kleider? Ihr ernst? So finde ich doch wieder nichts“. Ich sollte ablegen, mir wurde gleich etwas zu trinken angeboten und schon fühlte ich mich etwas wie eine Prinzessin. Ich konnte einen ersten genaueren Blick auf die ausgewählten drei Kleider erhaschen und dachte mir: „Sind jetzt nicht wirklich schön“.

Aber nun stand ich einmal in dem Laden, um mich herum zwei engagierte, wirklich nette Verkäuferinnen. „Also Sabrina, sei höflich, lass dich in die drei hässlichen Kleider stecken und dann geh wieder“. Sie zog mir Kleid Nummer 1 an. Ich kam raus und war überrascht. Positiv überrascht. Das Kleid hatte etwas, was mir überhaupt nicht gefiel und ich nicht haben wollte, aber es stand mit verdammt noch mal. Es war echt schön. Und ich glaube, ab da war ich in den Fängen der Verkäuferinnen. Das Kleid war sofort der Favorit und war eh das Schönste der Drei.

Trotzdem zogen wir Kleid Nummer 2 an. Keine Ahnung wieso das ausgewählt wurde, nichts davon entsprach meinen Vorstellungen, außer der A-Linie. Es war wirklich nicht das, was ich wollte. Sie zog es mir an, ich kam raus, schaute in den Spiegel und war wieder überrascht. Positiv überrascht. Ich will anmerken, dass ich das Angebot etwas zu trinken abgelehnt hatte, also konnten sie mir nichts verabreicht haben.  Es war sooo sooo schön. Schlichte Eleganz. Also doch etwas, was ich wollte.

Ich habe keine Ahnung warum, aber wir zogen auch noch Kleid Nummer 3 an. Es war das vermeintlich hässlichste der drei Kleider. Nichts an diesem Kleid gefiel mir auf dem ersten Blick am Bügel hängend. Das Kleid hatte alles das, was ich definitiv nicht wollte. Das muss man erst einmal schaffen. Die Verkäuferin zog es mir über und ich merkte schon, „oh, das fühlt sich total gut an“. Ich kam aus der Kabine, sah mich im Spiegel, stieg auf das Podest, sah mich weiter im Spiegel und konnte es kaum glauben. Ich sah mich, mir stiegen die Tränen in die Augen und ich sagte zu beiden Damen „DAS bin ich!“. Das Kleid war einfach zu 100% ich.

Ich bin heute noch geflasht von diesem Moment. Ich mag mich selbst nur bedingt, ich bin sehr unzufrieden mit mir selbst, schaue immer bei anderen schönen Frauen,  wäre gerne wie sie und würde gerne aussehen wie sie. So habe ich mich scheinbar auch bei der Vorstellung meines Brautkleides leiten lassen. Meines Traumkleides. Welches einfach nicht mein Kleid, sondern das Kleid einer Figur war, die nicht ich bin, die ich nur einfach gerne wäre. Ich werde diesen Moment und diese Erkenntnis hoffentlich immer in meinem Herzen tragen. Welche Erkenntnis ich meine? Ich bin das Kleid. Ich bin gar nicht so furchtbar, wie ich mich immer sehe.

In diesem Sinne. Bleibt immer bei euch, euch selber treu und vor allem liebt euch selbst.

Eure Sabrina

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2 Kommentare zu „Wie ich nicht mein Traumkleid fand, aber eben doch mein Kleid

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